Aktualisiert: Juni 2026 | Lesezeit: 7 Minuten
Was ist Headscale? (In zwei Sätzen)
Headscale ist ein Open-Source-Server (MIT-Lizenz), der den gleichen Dienst bereitstellt wie die Tailscale-Cloud – nur dass du ihn auf deiner eigenen Hardware betreibst. Deine Geräte verbinden sich direkt per Wireguard-Verschlüsselung, ohne dass ein zentraler Cloud-Server die Kontrolle hat.
Wenn du noch keinen Proxmox-Server hast: Im Mini-PC-Vergleich findest du passende Hardware ab 40 €. Und falls du Proxmox noch nicht kennst: Der Artikel zur kostenlosen Virtualisierung mit Proxmox zeigt dir den Einstieg.
Warum Headscale statt Tailscale-Cloud?
Tailscale ist extrem einfach einzurichten. Aber mit der Entscheidung gibst du die Kontrolle über dein eigenes Netzwerk aus der Hand:
Nachteile der Tailscale-Cloud:
- Tailscale sieht, welche Geräte du verbindest (auch wenn sie die Daten nicht sehen können, wissen sie wer wer ist)
- Tailscale entscheidet über die Infrastruktur – Ausfall der Cloud = kein Mesh-VPN
- Tailscale schränkt die Anzahl der Nutzer ein (Personal-Plan: 3 Nutzer / 100 Geräte)
- Du musst einem US-Unternehmen vertrauen, dass der Dienst nicht eingestellt oder kostenpflichtig wird
Vorteile von Headscale:
- Dein Netzwerk, deine Regeln – Kein externer Dienst weiss, welche Geräte du verbindest
- Unabhängig von Internet-Ausfällen – solange deine Geräte im selben Netzwerk sind oder dich via DynDNS/Domain erreichen, läuft es
- Kein Limit – Unbegrenzte Geräte und Nutzer
- Open Source – voller Zugriff auf den Code, keine bösen Überraschungen
- Eigene ACLs – du definierst genau, wer auf wen zugreifen darf (nicht Tailscale)
Alternativen im Vergleich
| Lösung | Kosten | Cloud nötig? | Einrichtung | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Headscale (Empfohlen)) | 0 € | ❌ Nein | Mittel | Du hostest selbst, volle Kontrolle |
| Tailscale-Cloud | 0–6 €/Monat | ✅ Ja | Sehr einfach | Kein eigener Server nötig |
| Netbird | 0–8 €/Monat | Teilweise (kostenloser Plan: Cloud-Management) | Mittel | Open Source, ähnliches Konzept |
| ZeroTier | 0–5 €/Monat | Teilweise (Basis-Koordination via Cloud) | Einfach | Älter, breite Unterstützung |
| Manuelles Wireguard | 0 € | ❌ Nein | Aufwändig | Volle Kontrolle, aber jede Verbindung manuell |
Fazit zum Vergleich: Tailscale ist am einfachsten, Headscale bietet die meiste Kontrolle. Wenn du bereits einen Proxmox-Server hast (wie die meisten Leser hier), ist Headscale der logische nächste Schritt – du hast die Hardware ja schon.
Headscale installieren (Proxmox LXC)
Du brauchst: Einen Proxmox-Server, ein LXC-Container (Debian/Ubuntu), und eine Domain oder DynDNS-Adresse.
⚠️ Wichtige Hürde: Headscale muss von deinen Clients erreichbar sein. Das bedeutet: Du brauchst entweder eine öffentliche Domain mit DynDNS, einen Reverse Proxy mit HTTPS-Zertifikat oder zumindest eine VPN-Verbindung zwischen allen Geräten und dem LXC. Für FRITZ!Box-Nutzer ohne DynDNS ist das eine echte Hürde – du kannst entweder eine DDNS-Domain bei einem kostenlosen Anbieter (dyn.com, duckdns.org) einrichten oder zunächst im lokalen Netzwerk testen.
1. LXC-Container vorbereiten
Erstelle einen unprivilegierten LXC mit Debian 12 (oder Ubuntu 24.04), mindestens 1 CPU-Kern, 1 GB RAM, 8 GB Speicher.
Nach dem Erstellen:
apt update && apt upgrade -y
2. Headscale installieren
Lade das aktuelle .deb-Paket direkt von GitHub:
# Beispiel für Version 0.23.0 – aktuelle Version auf
# https://github.com/juanfont/headscale/releases prüfen!
wget https://github.com/juanfont/headscale/releases/latest/download/headscale_0.23.0_linux_amd64.deb
dpkg -i headscale_0.23.0_linux_amd64.deb
Wichtig: Prüf vor der Installation die aktuellste Version auf GitHub und ersetze
0.23.0durch die tatsächliche Versionsnummer.
3. Konfiguration anpassen
Öffne die Konfiguration:
nano /etc/headscale/config.yaml
Wichtige Einstellungen:
server_url: https://headscale.deine-domain.de:443 # Deine Domain
listen_addr: 0.0.0.0:8080
metrics_listen_addr: 127.0.0.1:9090
grpc_listen_addr: 127.0.0.1:50443
# Magst du ändern:
dns:
magic_dns: true
base_domain: headscale.local
nameservers:
- 1.1.1.1
- 9.9.9.9
Für den öffentlichen Zugriff richtest du am besten einen Reverse Proxy (Nginx, Caddy) oder eine Cloudflare-Tunnel ein. Der Einfachheit halber reicht erstmal ein lokaler Zugriff – deine Clients müssen den Server dann per LAN-IP erreichen können.
4. Headscale starten
systemctl enable --now headscale
Prüfen ob es läuft:
systemctl status headscale
journalctl -u headscale -f
5. Ersten Nutzer anlegen
headscale users create homelab
Clients mit Headscale verbinden
Auf Linux (CLI)
# Tailscale-Client installieren
curl -fsSL https://tailscale.com/install.sh | sh
# Mit Headscale verbinden
tailscale up --login-server https://headscale.deine-domain.de
Ein Link für die Authentifizierung wird ausgegeben. Kopiere ihn, öffne ihn im Browser oder gib ihn auf dem Headscale-Server ein:
headscale nodes register --key <node-key-aus-browser>
Auf Windows / macOS
Lade den Tailscale-Client von tailscale.com/download herunter. Bei der Installation wählst du nicht “Login with Google”, sondern klickst auf das Tailscale-Icon in der Taskleiste → “Use a different server” → gib deine Headscale-URL ein.
Verbindung prüfen
tailscale status
# Ausgabe:
# 100.x.x.x homelab-server headscale homelab linux active
# 100.x.x.x desktop headscale homelab windows active
Deine Geräte sind jetzt per Mesh-VPN verbunden. Du erreichst jedes Gerät über seine Tailscale-IP (100.x.x.x).
Grundlegende ACLs (Access Control Lists)
Ohne ACLs kann jedes deiner Geräte jedes andere erreichen – das kannst du mit einer kleinen Regel einschränken.
Erstelle /etc/headscale/acl.hujson:
{
"groups": {
"group:admin": ["dein-user@domain"],
"group:server": ["homelab-server", "nas"],
"group:client": ["desktop", "laptop"]
},
"acls": [
// Admins dürfen auf alles
{ "action": "accept", "src": ["group:admin"], "dst": ["*:*"] },
// Server dürfen sich untereinander sprechen
{ "action": "accept", "src": ["group:server"], "dst": ["group:server:*"] },
// Clients dürfen nur Server erreichen (nicht andere Clients)
{ "action": "accept", "src": ["group:client"], "dst": ["group:server:*"] }
]
}
Aktiviere die ACLs in config.yaml:
acl_policy_path: /etc/headscale/acl.hujson
Dann Headscale neustarten:
systemctl restart headscale
Vorteile & Nachteile
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Volle Kontrolle über dein VPN | Einrichtung aufwändiger als Tailscale-Cloud |
| Kein externer Dienst im Spiel | Du brauchst einen öffentlich erreichbaren Server (LXC, VPS) |
| Unbegrenzte Geräte + Nutzer | Kein offizielles Web-GUI (nur CLI + Drittanbieter) |
| Open Source (MIT) | Updates musst du selbst einspielen |
| Funktioniert an jeder FRITZ!Box, kein Port-Forwarding | Reverse Proxy für HTTPS nötig |
| Wireguard-Verschlüsselung (schnell, sicher) |
Für wen geeignet?
- Du hast bereits einen Proxmox-Server und suchst nach einer echten Alternative zur Tailscale-Cloud
- Du hostest mehrere Dienste und willst sie per Mesh-VPN verbinden, ohne Ports in der FRITZ!Box freizugeben
- Du möchtest verstehen, wie dein Mesh-VPN funktioniert auf TCP/IP-Ebene und nicht nur “es läuft”
- Tailscale-Nutzer, die mehr Kontrolle wollen
Für wen ungeeignet?
- Du willst einfach nur schnell zwei Geräte verbinden – dann installier Tailscale, Headscale ist overkill
- Du hast nur ein Gerät im Homelab – ein Mesh-VPN lohnt sich erst ab 2-3 Geräten
- Du möchtest keine Kommandozeile sehen – Headscale hat kein einfaches Web-GUI
- Du hast keinen öffentlich erreichbaren Server (oder willst keinen DynDNS/RP einrichten)
Fazit
Headscale ist die richtige Lösung wenn du Tailscale kennst aber die Cloud-Komponente nicht magst. Der Aufwand für die Einrichtung ist überschaubar (~30 Minuten) und die Vorteile sind klar: Dein Netzwerk, deine Regeln, kein externer Dienst.
Kosten: 0 € (Headscale läuft in einem LXC auf deinem bestehenden Proxmox-Server)
Einrichten wenn: Du bereits mehrere Geräte in deinem Homelab hast und den nächsten Schritt in Richtung Selfhosting machen willst – nicht nur Dienste, sondern auch die Netzwerk-Infrastruktur selbst betreiben willst.
Nicht einrichten wenn: Tailscale-Cloud für dich völlig ausreicht und du keinen Grund siehst, etwas zu ändern. Tailscale ist ein gutes Produkt – Headscale ist nur die Antwort auf die Frage “Was, wenn ich es selbst hosten will?”
